FJM

Die Turn-AG …

Oder wie aus Schülern Turngötter wurden

Ja ja, das geliebt-gehasste Turnen fristet schon ein kümmerliches Dasein an so mancher Schule und in den Herzen der Schüler. Zu schwer, zu anstrengend, zu wenige Lernerfolge und diese elende Überwindung zum kontinuierlichen Üben. Zugegebenermaßen verlangt das Turnen einiges mehr an körperlich-motorischen und auch psychischen Voraussetzungen gepaart mit einer gewissen Frustrationstoleranz, da selten ein Element auf Anhieb funktioniert. Umso freudiger die Tatsache, dass wir hier am FJM doch noch so mancher Schüler mit solchen Qualitäten haben, die selbstinitiativ eine Turn-AG auf die Beine stellen wollten.

Fernab pädagogischer Perspektiven und didaktisch-methodischem Feuerwerk des Sportlehrplans, konnten wir uns ganz und gar den Elementen widmen und die guten alten methodischen Lehrreihen anbringen, die offensichtlich (auch) zum (Lern)Erfolg führen. Flick-Flack-Rondat-Kombination: kein Problem. Salto rückwärts aus dem Stand und aus dem Rondat: kein Problem. Salto vorwärts: kein Problem. Handstützsprungüberschlag auf dem Pferd: kein Problem. Langhangkippe am Reck: kein… naja, fast kein Problem (aber das bekommen wir auch noch hin). Die Elementeaufzählung ließe sich noch weiter fortsetzen, soll im Grunde jedoch zeigen, wie leistungsstark und lerneifrig meine Turngötter in dieser AG agieren und auch so manchen Rückschlag akzeptieren, um in der nächsten Stunde noch fokussierter zu trainieren, sodass schlussendlich das Element beherrscht wurde. Und nicht nur der Wille war zu spüren, auch vor körperlichen Schmerzen wurde nicht Halt gemacht. Stürze, aufgerissene Hände von der Reckstange oder so mancher Muskelschmerz sind nun mal Teil des Turnens, die jedoch tapfer akzeptiert wurden… denn nur die Harten kommen in den Garten!

Keine Erwähnung bedarf der Umstand, dass die Schülerinnen und Schüler dies allein aus Interesse und Motivation sich zu verbessern unternahmen. Dennoch wäre es schade solch großartige Erfolge nicht präsentieren zu dürfen. Der Tag der offenen Tür am FJM bot hierfür eine gute Möglichkeit, um Eltern und zukünftigen Schülern zu zeigen, welche Faszination das traditionelle Turnen weiterhin bieten kann nebst Trendsportarten wie Le Parkour. So erstellten wir gemeinsam eine synchron ablaufende Turnchoreographie mit Boden- und Reckelementen samt abschließender Sprungshow am Trampolin mit diversen Saltiformationen, natürlich untermalt von dramatischer Musik. An dieser Stelle nochmals meinen herzlichen Dank und großen Respekt für diese wirklich hervorragende Leistung vor Publikum sowie für die unzähligen Extrastunden der Vorbereitung.

Aber so eine Turn-AG bietet noch weitere gegenseitige Vorteile. Zum Turnen gehört neben den motorisch psychischen Aspekten ebenso die emotionale Komponente und somit das Vertrauen zwischen Turner und Lehrer/Trainer. So bietet eine AG wie diese, die Chance Schülerinnen und Schüler auf einer anderen Ebene kennenzulernen, zu motivieren und zu fördern.

Gepackt vom Turnvirus und der Motivation mehr als (Achtung: Ironie!!!) eine Rolle vorwärts zu beherrschen, kamen meine Turngötter auf mich zu, ob wir nicht eine Turn-AG ins Leben rufen wollen?! Das Herz des Turnvaters Degenkolb sprang in die Höhe und applaudierte: „Es gibt sie doch noch, die jungen Menschen, die der Couch, dem Fernsehen und der Videokonsole Ade sagen und auch noch nach dem Unterricht 17 Uhr in die heiligen Hallen des FJMs kommen, um sich zu verbiegen und zu verrenken!“

Dieser Umstand kann wieder positiv in den Unterricht rückkoppeln, da einige Teilnehmer der AG auch zu meinem Sportkurs gehörten und ich meine Turngötter quasi als Co-Lehrer/Trainer einsetzen konnte, was den Lernerfolg des gesamten Kurses positiv berührte.

Auch wenn das Turnen mit so manchen Ressentiments behaftet ist, bin ich froh, dass diese meine Turn-AG jene Einstellung nicht teilt. Es wäre schade, das Turnen hinten anzustellen, da es meiner Meinung nach immer noch die beste Möglichkeit darstellt Kinder motorisch zu schulen und ihnen auch emotional-psychische Fähigkeiten mitzugeben wie Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz, Angstüberwindung, Mut und Selbstüberwindung, Selbstbewusstsein und gegenseitige Verantwortung.

Halten wir das Turnen also lebendig und sorgen wir dafür (Achtung: nochmals Ironie!!!) das unsere Kinder nicht über ihre eigenen Füße stolpern.

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